Hundebiss: Wann wird Schmerzensgeld gezahlt?
Letzte Aktualisierung am: 11. Juli 2024
Geschätzte Lesezeit: 5 Minuten
Ein Biss eines Hundes ist selten ungefährlich
Hunde sind die treusten Begleiter des Menschen. Dieser Meinung sind viele Hundebesitzer, die sich ein Leben ohne ihren haarigen Vierbeiner gar nicht mehr vorstellen können.
Trotzdem gibt es auch immer wieder Fälle, in denen ein Hund aus Übermut, Angst oder aufgrund schlechter Erziehung die Kontrolle verliert und zubeißt.
Je nachdem, wie schwer die Verletzung ist, kann diese nicht nur akute, temporäre Schmerzen, sondern auch Folgeschäden hervorrufen.
Besonders in diesen Fällen stellen sich Opfer einer solchen Attacke oft die Frage, ob es möglich ist, einen Schadensersatz nach einem Hundebiss zu erhalten. Wann kann Schmerzensgeld nach einem Hundebiss in den Arm gezahlt werden? Gibt es ein höheres Schmerzensgeld für einen Hundebiss, der im Gesicht erfolgte? Lesen Sie im Ratgeber mehr zum Thema.
Inhaltsverzeichnis
FAQ: Schmerzensgeld bei Hundebiss
Sofern der Geschädigte den Hund zuvor nicht provoziert hat, steht ihm in der Regel Schmerzensgeld vom Hundehalter zu.
Die Höhe von Schmerzensgeld wird immer nach Einzelfall von einem Richter festgelegt. Eine Orientierung bietet die Schmerzensgeldtabelle.
Wichtig sind hierbei die Art und Schwere der erlittenen Verletzungen, ob die Schäden dauerhaft bzw. langwierig sind und ob der Geschädigte eine Mitschuld an der Beißattacke trägt.
Schmerzensgeld nach einem Hundebiss: Wird Schadensersatz geleistet?
Zunächst muss die genaue Situation betrachtet werden, in der der Hund zugebissen hat. Wurden Sie gänzlich unverschuldet von einem Hund angefallen – also ohne diesen zu provozieren oder zwei sich bekämpfende Hunde trennen zu wollen – haben Sie einen Anspruch auf Schmerzensgeld nach einem Hundebiss. Welche Höhe dieses haben kann, ist dabei von unterschiedlichen Kriterien der Verletzungen abhängig:
- Schwere der Verletzungen
- Dauerhaftigkeit der Schäden
- Mitschuld des Verletzten
Der Anspruch auf Schmerzensgeld bei einem Hundebiss ergibt sich aus dem Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB).
§ 253 besagt, dass auch ein immaterieller Schaden durch eine Geldleistung des Schädigers ausgeglichen werden muss, wenn Körper oder Gesundheit gefährdet oder geschädigt wurden.
Dass dies auch gilt, wenn kein Mensch, sondern ein Tier für den Schaden verantwortlich ist, besagt weiter § 833 BGB:
Wird durch ein Tier ein Mensch getötet oder der Körper oder die Gesundheit eines Menschen verletzt oder eine Sache beschädigt, so ist derjenige, welcher das Tier hält, verpflichtet, dem Verletzten den daraus entstehenden Schaden zu ersetzen. […]
Das bedeutet also: Da das Tier selbst nicht in der Lage ist, nach einem Hundebiss Schmerzensgeld zu zahlen, muss der Hundehalter für diese Geldzahlung aufkommen. Das gilt nicht für Hunde, die beispielsweise bei der Polizei eingesetzt werden.
Der zuständige Polizist ist dann nicht schadensersatzpflichtig, wenn ein Mensch von diesem Hund gebissen wird und Schmerzensgeld für die Verletzungen fordert. Dies ist nur der Fall, wenn der Polizist bei der Führung des Hundes seine Aufsichtspflicht verletzt hat.
Hundebiss: Antrag auf Schmerzensgeld stellen
Wurden Sie unverschuldet von einem Hund gebissen, so können Sie bei dessen Halter einen Antrag auf die Zahlung von Schmerzensgeld einreichen. Dieser bzw. dessen Versicherung ist dafür verantwortlich, Ihnen den entstandenen Schaden an Ihrer Gesundheit zumindest zu einem kleinen Teil zu ersetzen.
Dazu sollten Sie sich im ersten Schritt direkt an den Hundehalter bzw. an dessen Hundehaftpflichtversicherung wenden. Will die Versicherung trotz Anspruch nicht zahlen oder ist die Ihnen vorgeschlagene Summe zu gering, haben Sie außerdem die Möglichkeit, eine Klage vor Gericht einzureichen. Dazu sollten Sie sich vorher auch an einen Rechtsanwalt wenden, der mit Ihnen über das anstehende Verfahren spricht.
Dieser kennt sich außerdem meistens mit den aktuellen Gerichtsurteilen über ein mögliches Schmerzensgeld nach einem Hundebiss aus und kann Sie entsprechend beraten. Wichtig ist, dass Sie sich die Verletzungen von einem Arzt nach der Tat bescheinigen lassen.
Das Schmerzensgeld nach einem Hundebiss in die Hand oder an einer anderen Körperstelle kann nur dann gezahlt werden, wenn Sie dafür eindeutige Beweise haben. Auch Zeugen der Tat sind meist von Vorteil, um zu bescheinigen, dass Ihnen tatsächlich der beschuldigte Hund den Biss zugefügt hat.
Tragen Sie selbst eine Mitschuld an dem Hundebiss, weil Sie das Tier beispielsweise provoziert haben, kann sich das Schmerzensgeld reduzieren oder für den Hundehalter sogar ganz entfallen. Dies ist wiederum davon abhängig, wie sich die Situation zugetragen hat und welcher Teil der Schuld auf Sie übertragen werden kann.
Wenden Sie sich in solch einem Fall unbedingt an einen Anwalt, der sich mit Schmerzensgeld auskennt. Dieser kann Ihnen mit Rat und Tat zur Seite stehen und Ihnen dabei helfen, trotz eventuell vorhandener Teilschuld ein Schmerzensgeld von der gegnerischen Partei zu erhalten.
Schmerzensgeldtabelle: Ein Hundebiss kann teuer werden
Nach einem Hundebiss ist ein Schmerzensgeld also möglich.
In welcher Höhe dieses gezahlt wird, ist davon abhängig, wie schwer die Verletzung ist.
Wollen Versicherungen oder ein Gericht nach einem Hundebiss das Schmerzensgeld und dessen Höhe festlegen, orientieren sie sich dabei meist an einer sogenannten Schmerzensgeldtabelle.
In solch einer werden Urteile von Gerichten gesammelt, die sich in der Vergangenheit bereits mit ähnlichen Fällen beschäftigt haben. So kann ein Wert ermittelt werden, der der Schwere der Verletzung entspricht. Einige Beispiele für Zahlungen nach einem Hundebiss laut Schmerzensgeldtabelle sollen im Folgenden einen Überblick über Ihre Möglichkeiten geben.
Die folgenden Urteile wurden einer Schmerzensgeldtabelle entnommen:
Verletzung | Schmerzensgeldsumme | Gericht / Datum (Aktenzeichen) |
---|---|---|
Hundebiss mit Brustverletzung, Verletzung an Unterarm, Schulter und Hand | 39.994,78 Euro | LG Duisburg, 08.06.2006 (AZ: 8 O 38/06) |
Hundebiss / Nasenverletzung (4 cm lange Bisswunde) | 5.000 Euro | LG Hamburg, 26.03.2012 (AZ: 307 O 429/10) |
Hundebiss, Unterarmverletzung mit Wundinfektion | 4.000 Euro | AG Cloppenburg, 13.09.2013 (AZ: 21 C 876/12) |
Hundebiss mit Blutvergiftung | 2.000 Euro | AG München, 06.09.2011 (AZ: 261 C 32374/10) |
Hundebiss in die Wade | 1.500 Euro | LG Nürnberg, 22.11.2013 (AZ: 15 S 5611/13) |
Hundebiss in linken Unterschenkel und linke Hand | 1.000 Euro | AG Würzburg, 02.11.2011 (AZ: 15 C 1877/11) |
Hundebiss mit Bluterguss | 300 Euro | LG Krefeld, 11.03.2011 (AZ: 1 S 110/10) |
Es wird deutlich: Besonders dann, wenn der Hundebiss an empfindlichen oder sichtbaren Stellen wie im Gesicht erfolgte oder dadurch Folgeschäden entstehen, kann das Schmerzensgeld bei einem Hundebiss ins Bein beispielsweise niedriger ausfallen. Welches Schmerzensgeld nach einem Hundebiss möglich ist, ist allerdings unterschiedlich und muss im Einzelfall betrachtet werden.
Ein Rechtsanwalt für Schmerzensgeld kann Ihnen dabei behilflich sein, das bestmögliche Ergebnis für Sie nach einem Hundebiss herauszuschlagen. Das Schmerzensgeld kann dann dabei behilflich sein, zumindest einen Teil der erlittenen Schmerzen wiedergutzumachen.
Welche Schmerzensgeldtabellen gibt es?
Was bei einem Hundebiss an Schmerzensgeld gezahlt werden kann, ist verschiedenen Schmerzensgeldtabellen zu entnehmen.
Tabellen gibt es viele, an denen das Schmerzensgeld in verschiedenen Situationen – also auch, wenn Sie von einem Hund gebissen wurden – ausgemacht werden kann. Dazu gehören unter anderem:
- die Beck’sche Schmerzensgeldtabelle,
- die Celler Schmerzensgeldtabelle vom Oberlandesgericht Celle
- die ADAC-Schmerzensgeldtabelle von Hacks/Ring/Böhm
An welcher Tabelle Sie oder die gegnerische Versicherung sich nach einem Hundebiss beim Schmerzensgeld orientieren, ist dabei nicht von Bedeutung. Größtenteils liegen den Schmerzensgeldtabellen die gleichen Gerichtsurteile zugrunde, sodass sich die Angaben nur geringfügig unterscheiden.
Hallo, ich wurde am 4.12.22 von einem Hund ins Handgelenk oben und unten gebissen und schüttelte wie eine Beute. Bin Rechtshänder….
Bin am 4.12. Gleich ins KH gekommen die Wunde wurde versorgt. Am 5.12. War meine Hand dann so dick das sie fast platzte, es wurde wieder die Wunde wegen der Keime versorgt…. Impfung und Antibiotika über 5 Wochen und Schmerzmittel begleiten mich.
Am 7.12. War dann schon eine größere OP die Hand wurde am Daumen ca 6cm und oben 10 cm aufgeschnitten..
Ich hoffte auf Besserung.
Doch leider musste man dann am 14.12. Wieder operieren… Es wurde etwas Haut entfernt da diese wie Abgestorben war.
Nun muss ich wieder warten und hoffen. Es entscheidet sich am 13.1.23 ob ich noch eine Hauttransplantation erfolgen muss.
Mich würde echt mal interessieren wie hoch hier das Schmerzensgeld ausfallen soll. Noch dazu wie es einem Psysisch dabei geht, wenn man schlaflose Nächte hat und träume… Angst das man seine Hand nicht mehr so belasten kann wie es einmal war.
Ich bin im Juni 2022 am li. Unterarm von einem Hund gebissen worden. Wunde hatte sich entzündet, Behandlung mit Antibiotika erfolgte. Später mußte Wunde operiert werden da diese nicht abheilte. Es wurde Gewebe rausgeschnitten und es bleibt eine Narbe. Nun bietet mir die gegn. Versicherung nach gut 1/2 Jahr 250,00 Euro Schmerzensgeld an?
Ich bin seit dem 30.12.20 täglich in der Klinik in Behandlung wegen eines Hundebisses in den linken Unterarm mit angeh. Infektion und nehme Antibiotika.
Sehr geehrte Damen und Herren,
gibt es auch Urteile, was jemand für Schmerzensgeld bekommt nach einer Antibiotika-
Allergie, nach einem Hundebiss?
Hallo Ursula,
dazu liegen uns keine Informationen vor. Wenden Sie sich für eine individuelle Einschätzung an einen Anwalt.
Ihr Team von Bußgeldrechner.org